Girls Rocking South-Africa

50 Tage mit dem Auto Johannesburg-Capetown
1 Ziel KLETTERN Sport, Mehrseillaengen und Trad
1 TRAUM Erstbegehung einer cleanen Mehrseillaenge

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Girls Rocking South Africa

Südafrika… bekannt als Ziel zum bouldern und Sportklettern: Rocklands und Waterfall Boven. Doch es gibt noch viel mehr Fels in diesem riesigen Land am südlichsten Zipfel Afrikas. Genau dies wollten wir erkunden: Girls Rocking South Africa!

Nachdem ich vier Monate in Stellenbosch in der Nähe von Kapstadt studiert habe, kann ich Nadia und Caitlin motivieren mich besuchen zu kommen. Wir sind somit ein internationales Team und Nadia ist gezwungen Englisch zu lernen, während Caitlin hart an ihrem Spanisch arbeitet und ich meine Künste im übersetzen ausfeile.

Wir treffen uns Anfang November in Johannesburg, von wo aus wir mit unserem kleinen roten Mietwagen in unser Abenteuer starten. Unser erstes Ziel ist dann Watervall Boven, denn diese bekannten roten Wände wollen wir uns nicht entgehen lassen. Und wir werden nicht enttäuscht, zumindestens nicht von der Kletterei, welche genial ist. Das Wetter allerdings macht der Regenzeit alle Ehre und wir sind erstaunt wie nass und kalt es im südafrikanischen Sommer sein kann.
climbing like baboonsWaterfall Boven

Nach zehn Tagen geht unsere Reise weiter in den weltbekannten Kruger National Park, wo wir afrikanisches Wildlife beobachten können. So sehen wir Elefantenherden, die gemütlich über die Strasse trotten, Ein Nashorn, das wütend die Autos verfolgt, Impalas, die der FastFood des Buschs sind, Giraffen und Zebras, die durch die Steppe galopieren, einen Löwen, der seine blutige Beute wegschleppt und noch viel mehr spannende Tiere. Wir sind beeindruckt.

Elephant-KrugerRhino-Kruger

Vom Kruger Nationalpark führt uns unser Weg in den Norden, wo wir in Blouberg klettern wollen, dem „Bigwall“ südafrikas, um den sich viele Mythen ranken und den man durch den dichten Wald nur mit Hilfe der Locals findet. Wir haben Glück: Hector, der Führerautor nimmt uns mit auf den wilden Zustieg nachts mit Stirnlampen durch dichte Bäume und Gestrüpp, wo die Orientierung selbst für ihn manchmal zur Herausforderung wird.
Am nächsten Morgen können wir dann an der tollen Felswand klettern, die 400m aus dem grünen Wald herausragt. Wir haben Matt mitgenommen, einen südafrikanischen Kletterer, den wir in Waterfall Boven kennen gelernt haben und der noch nie solch eine lange, alpine Tour geklettert ist. Caitlin Blouberg
Wir geniessen die Kletterei, die uns allen gefällt und dann plötzlich ändert sich die Situation: Caitlin stürtzt in der letzten Seillänge bevor sie ihre erste Sicherung legen konnte, da ihr ein Griff ausbricht.  Sie fällt zurück auf ein Band und verletzt sich am Fuss der sofort schwillt und blau wird. Wir können ihn schienen und Caitlin mit vereinten Kräftne die letzte Seillänge, bis auf das Plateau oberhalb des Felsens hochbringen. Von dort ist es noch ein langer, unwegsamer Weg bis zu unsere Schlafhöhle und noch weiter bis ins Tal. Uns ist klar, dass wir dies nicht mehr vor der Dunkelheit schaffen können und nachdem Caitlins Fuss immer mehr anschwillt und dunkler wird, entscheiden wir uns doch die Bergrettung anzurufen. Sie senden uns schnell einen Helikopter, wir sind erstaunt Caitlin Bloubergwie gut dies funktioniert. Wir haben viel Glück, denn hier ist der einzige Ort in den Bergen, wo wir Handyempfang haben und Hector hat die Koordinaten des Routeneinstiegs auf seinem Topo angegeben, sodass wir diese dem Piloten durchgeben können. Ohne Koordinaten fliegt er nicht. Caitlin wird dann in ein Regierungskrankenhaus geflogen. Diese weisen sehr limitierte Fähigkeiten auf, sind dafür aber für jeden zugänglich und umsonst. Dadurch muss Caitlin den Helikopter nicht zahlen, denn sie hat keine Versicherung, was uns doch sehr erstaunt.

Wir machen uns dann auf unseren Abstieg, mittlerweile sind wir vollkommen dehydriert, da wir durch Missverständnisse und einen undichten Wassersack zu wenig Wasser dabei haben. Für uns ist es schon zu spät, um ins Tal abzusteigen und so verbringen wir noch eine Nacht in unserer Höhle. Am nächsten Morgen beginnt dann der Abstieg mit schweren Rucksäcken, da wir nun auch Caitlins Material mit herunter tragen müssen und eigentlich auch Essen für fünf Tage dabei hatten. Wir verlassen schweren Herzens diesen Ort, denn unsere Motivation hier noch mehr zu klettern ist riesig.

Gipfel Blouberg

Caitlin holen wir im Krankenhaus ab und fahren gemeinsam nach Johannesburg, wo uns die Familie von Matt willkommen heisst. Wir sind gerührt, wie viel Hilfe wir bekommen, von Leuten, die wir bis vor ein paar Tagen nicht kannten. Gerade dies macht auch das wunderbare einer Reise aus.

Während im Regierungskrankenhaus in Caitlins Fuss kein Bruch gefunden wurde, zeigen die Röntgenbilder in einer privaten Klinik in Johannesburg das Gegenteil. Dadurch fällt dann die schwere Entscheidung für Caitlin nach Hause zu fliegen. Wir sind traurig über diesen abrupten Wechsel in unserer Reiseplanung. Nach drei Tagen Organisation in Johannesburg steigt Caitlin in ein Flugzeug zurück in die USA, während Nadia und ich unsere Reise fortsetzen.

Zunächst heisst dies einen Tag Autofahrt bis an die Wildcoast, wo wir dann für die letzten zwei Stunden in einen Jeep umsteigen müssen, da die Strassen zu schlecht für unseren kleinen Polo sind. Die Wild Coast ist ein Landschaftszug an der Ostküste Süd Afrikas, der immer noch wild und dünn besiedelt ist. Es gibt hier einsame Sandstrände und raue Felsen, an denen sich das blaue Meer bricht. Das Ufer ist grün und durchsäht mit Rondavels, den traditionellen Hütten. Am ersten Abend werden wir eingeladen von Steve, der hier mit Freiwilligen die lokale Schule unterstützt und versucht bessere Möglichkeiten  zu schaffen. Denn bis vor kurzem gab es kein Strom und laufendes Wasser in den Schulgebäuden.
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DSCN1594Wir erkunden drei Tage lang diesen wilden Küstenzug mit unglaublicher Natur und versuchen uns im surfen, bevor es dann über die Garden Route weiter in die Cederberge im Western Cape geht. Dies bedeutet wieder zwei Tage im Auto sitzen, denn die Distanzen hier sind lang.

In Wolfberg treffen wir uns mit Danie, einem unserer südafrikanischen Freunde und verbringen dort drei Tage kletternd auf diesen beeindruckenden roten Wänden, die alle komplett clean sind, d.h. wir finden keinen Haken und keine Spuren, sondern müssen unsere Routen komplett selber absichern. Die Kletterei ist super auf diesem roten Sandstein mit seinen Rissen und Verschneidungen und die Bewertungen streng. Nur leider durchzogen von vielen Bändern, die wir am Ende nicht mehr sehen können, vor allem nach Caitlins Unfall. Wir merken, dass unser ihr Unfall doch mehr beschäftigt als wir zugeben wollen.
IMG_0973IMG_0978new Route Wolfberg

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Wir wechseln dann an den Tafelberg (welcher den selben Namen trägt, wie das Wahrzeichen von Kapstadt, sich aber einige hundert Kilometer weiter im Norden befindet.). Da es tagsüber sehr heiss ist, machen wir den Zustieg nachts bei Vollmond, in einer geheimnisvollen Stimmung. Die Schlafhöhle IMG_1303hier ist sehr gemütlich mit mehreren Räumen und sogar einer Terrasse, von der man wunderbare Sonnenuntergänge nach langen Klettertagen beobachten kann. Auch hier sind die Touren wieder ohne jegliches Material versehen, was uns sehr freut.  Das heisst aber auch, dass wir viel Material mitschleppen.  Auch hier treffen wir keine anderen Kletterer während der Zeit, die wir einsam und abgeschieden in unsere Höhle mit klettern verbringen. Neben schon bestehenden Routen, können wir auch einige Routen erstbegehen, die uns auf das Gipfelplateau des Tafelberg führen. Dort ziehen sich verrückte Steinformationen über eine grosse Fläche und wir fühlen uns auf den Mars versetzt.
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Als wir nach fünf Tagen wieder zu unserem Auto kommen, ist der hinterer Scheibenwischer von Baboons zerstört, unser Mietwagen sieht mittlerweile ziemlich mitgenommen aus durch die staubigen, unwegsamen Strassen.
cave Tafelbergdinner Tafelberg

Nach einem halben Tag in Clan William um unseren Kontakt mit der Aussenwelt zu pflegen, geht es auch schon wieder weiter: Mit einer grossen Gruppe Kletterer aus Kapstadt steigen wir zu den Amphitheatern von Krakadouw auf. Drei Amphitheater bieten hier Kletterei von drei bis zehn Seillängen und wie hier so üblich: wild ohne Haken. Der Fels hat mehr Reibung und die Routen gefallen uns gut. Wir lachen viel und haben Spass mit dem Kommunikationsmix aus verschiedenen Sprachen. Denn auch Nadia und ich kommunizieren sowohl in französisch als auch spanisch ohne sagen zu können wann und warum wir Sprachen wechseln. Auch hier können wir schöne Linien erstbegehen.
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Zur Pause fahren wir dann drei Tage nach Kapstadt, wo wir uns dem surfen widmen und daran richtig Spass finden. Während wir morgens surfen, gehen wir nachmittags am Tafelberg hoch über Kapstadt klettern.

Surf Cape Town

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Danach geht es dann wieder in die Cederberg, wo wir gemeinsam mit unseren Freunden in ein Gebiet fahren, was sie gerade eröffnen und somit verbringen wir dort drei Tage mit Erstebgehungen. Der Höhepunkt ist sicherlich eine perfekte, glatt in den Fels geschnittene Verschneidung mit einem Fingerriss, welche mein Herz höher schlägen lässt.

Und dann ist Weihnachten, während die Anderen nach Kapstadt zurück fahren, verbringen wir die Tage in den Rocklands, wo wir ganz allein sind. Während es tagsüber sehr heiss ist, können wir morgens und abends gut bouldern und oft weht am Pass der Wind so stark, dass wir zwischen unseren Versuchen sogar Daunenjacken anziehen.

Rocklands

Anschliessend führt uns unsere Reise dann in die du ToitsKloof, ein Tal, in dem sich das Yellowwod Amphitheater befindet. Auch ein Ort, um den sich viele Geschichten ranken. Zusammen mit Richard steigen wir morgens früh mit Stirnlampen zu, um eine lange Tour an dieser steilen, gelben Wand zu klettern.

In der dritten Seillänge passiert es dann ganz unerwartet: Mir bricht ein Tritt aus und ich falle rückwärts aus der Wand, ich merke wie ich schräg nach hinten falle, meine letzte Zwischensicherung herausreisst und mich dann das Seil zehn Meter weiter unten stoppt. Dann fängt alles an sich zu drehen und ich sehe Sterne, mein Körper kämpft um das Bewusstsein nicht zu verlieren. Nach ein paar Minuten fühle ich mich wieder stabil und es scheint auch, das meine Körperteile alle in funktionieren und an ihrem Platz sind, nur mein Ellbogen schmerzt etwas. Ich möchte weiterklettern, denn ich kann mich noch mit der anderen Hand festhalten und auch der verletzte Arm fühlt sich ganz gut an. Doch dann wir der Schmerz stärker, sodass wir entscheiden abzuseilen. Mittlerweile kann ich den Reissverschluss meiner Jacke nicht mehr alleine aufmachen. Der Ellbogen schwillt an und wird blau, doch ich hoffe, dass nichts gebrochen oder gerissen ist, denn ich habe noch viele Pläne für das nächste Jahr.
the end

Am nächsten Tag geht es dann wieder zurück nach Kapstadt, wo ich zum kontrollieren meines Arms den Nachmittag in der Notaufnahme verbringe, mit dem genialen Ergebnis: Mein Arm ist nicht gebrochen, nur ziemlich heftig angehauen. Das macht mich glücklich. Ich werde zwar unsere letzten Tage in Kapstadt nicht mehr klettern können, aber meine Skistöcke zu Hause halten können.

Die letzte Tage in Kapstadt mit unseren alten und neuen Freunden verfliegen schnell und unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Nach zwei Monaten Roadtrip durch Südafrika unter dem Motto Girls Rocking South Africa, ist eine geniale Zeit mit gutem Klettern, super Erfahrungen und sehr schönen Begegnungen vorbei. Wir haben neue Freundschaften geschlossen und es fällt uns schwer dieses vielseitige Land zu verlassen.

Fotos: Nadia CR, Caro N, Danie M, Winter
Mehr Infos und Fotos: https://www.facebook.com/viajesbuenaonda?ref=ts&fref=ts

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