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„Hast du nächste Woche Dienstag bis Donnerstag zeit?“, so lautete meine Mail, die ich donnerstags an Yvonne schicke. Zunächst bekomme ich eine negative Antwort, wie von allen anderen, die ich frage. Trotzdem bin ich aber hochmotiviert und gebe es nicht auf einen Kletterpartner zu finden.
Nach einem Telefonat am Montag ist dann klar, Yvonne kann auch in der Uni fehlen und wir treffen uns am nächsten Tag in Interlaken. Wir sind beide extrem motiviert und haben uns selten so stark auf eine Tour gefreut!
Mittwoch früh sind wir dann schon viel zu früh am Bahnhof in Grindelwald und müssen ziemlich lange auf den ersten Zug warten.
Es geht dann hoch bis zur Station Eigergletscher, wo wir unsere Ski deponieren und dann in Richtung Nordwand laufen. Es führt eine breite Spur zum Einstieg, die nicht zu verfehlen ist. Imposant steht sie über uns, diese berüchtigte Wand und trotzdem sind wir voller Motivation und Vorfreude endlich einzusteigen. Wir bewegen uns flott vorwärts und überwinden den gut eigespurten Vorbau ohne Seil. Als es steiler und felsiger wird seilen wir uns dann an, und weiter gehts… mit jedem Meter den wir höher klettern haben wir mehr Spaß an der Kletterei und fühlen uns sicherer auf dem abwärts geschichteten Fels. Wir klettern bis in das Todesbiwak, wo wir uns dann in der Abendsonne einrichten, Wasser schmelzen und unser vorzügliches Katadynessen verspeisen.
Nach einer warmen Nacht zu zweit in einem Schlafsack, klettern wir dann früh weiter. Wir sind überrascht, wie viele Seilachaften jetzt plötzlich in der Wand sind!
Wir kommen gut in unseren Rhytmus hinein und klettern zügig: Auch der brüchige Riss und der Quarzriss, vor denen wir im voraus Respekt hatten stellen kein Problem dar, sondern machen richtig Spaß zu klettern. Aufgrund von dem brüchigen Fels, sind wir immer wieder Steinschlag ausgesetzt und zum Teil auch Pickelschlag, von den darüber kletternden Seilschaften, die ihre Eisgeräte verlieren.
Mit tiefstehender Sonne steigen wir dann auf den Grat aus und laufen diesen im rotglänzenden Licht entlang Die Stimmung ist einzigartig und wir genießen die letzten Meter bis zum Gipfel.
Wir verweilen nur kurz und steigen dann über die Westflanke ab bis zur Station Eigergletscher, wo unsere Ski auf uns warten. Ist es doch anfangs etwas wackelig mit meinen Phantoms in der Skibindung, gewöhne ich mich nach einigen Metern daran und kann die Abfahrt noch geniessen.
Erschöpft, aber sehr glücklich kommen wir in Grindelwald an. Und so habe ich die Eigernordwand tatsächlich noch kurz vor meinem 23. Geburtstag geklettert…ein schönes Geschenk!
Danke an Mammut, Scarpa und Katadyn, die mich immer bei meinen Unternehmungen unterstützen.